Die Krux des Lernbüros

An meiner jetzigen Schule arbeiten wir mit Lernbüros. Wenn bei dem Begriff noch Fragezeichen herum schwirren, dann bitte hier klicken. In diesen Lernbüros arbeiten wir mit Materialien, die  von Kolleg*innen mit viel Verstand, Mühe und auch Liebe zur Arbeit erstellt wurden. Von der fachlichen Ausrichtung sind die nur selten zu beanstanden und knapp die Hälfte ist mittlerweile auf drei Niveaus differenziert. Das ist eine solide Leistung und auch die Schüler*innen kommen mit den Aufgaben gut zurecht.

Doch… es ist eine wahre Leitzkultur:

Die Bausteine zu den einzelnen Themenbereichen liegen als fertig gelocht und gehefteter Stapel Totholz vor. Diese Stapel sind dann in den verschiedenen Anforderungen abgeheftet und in ein Regal geräumt. Am heutigen Tag habe ich wieder dafür gesorgt, dass genug Bausteine in meinem Lernbüro vorhanden sind. Dafür sind ca. anderthalb Packungen Kopierpapier ‚Classic white‘ drauf gegangen. Da diese Tätigkeit entsprechend monoton ist, kam ich nicht umher kurz darüber zu twittern.

Kurz darauf kam auch eine Reaktion aus dem Bildungsumfeld:

Dazu möchte ich kurz sagen: Jein! Das individualisierte Arbeiten im Sinne des Interesses der Schüler*innen ist bei uns, aus meiner Sicht, sehr gut möglich. Es hapert jedoch an manchen Stellen: So muss sich vor Beginn der Bearbeitung für eine Schwierigkeit entschieden werden. Beispielsweise nimmt Schülerin Anna* den mittelschweren Baustein zum Thema Balladen. Die Einteilung in Strophen und Verse fällt ihr leicht, auch die Reimschemata bereiten ihr keine Schwierigkeit. Sie könnte durchaus auf einem höheren Niveau arbeiten. Anna hat aber Probleme mit ihrem Wortschatz, sie spricht zwar gutes Deutsch, tut sich aber mit lyrischer Sprache sehr schwer. Hier könnte sie weitere Hilfe gebrauchen oder auch eine einfachere Fragestellung.

In beiden Fällen kommt der Baustein auf Papier an seine Grenzen. Ein Wechsel zwischen den einzelnen Niveaustufen ist nur durch weiteren Papierverbrauch möglich. So fasse ich auch das Argument von Marc Albrecht auf und kann es in der Hinsicht nur unterstützen. In der persönlichen Wunschvorstellung hätten die Schüler*innen Tablets mit Stifteingabe und würden ihre Bausteine digital bearbeiten. Dabei könnte zwischen den verschiedenen Hilfestellungen und Niveaustufen hin und her geschaltet werden. Interaktive Elemente könnten ebenso eingebunden werden und die Balladen lägen auch vertont vor.

Die Ausgangssituation ist jedoch die, dass dies von Schulseite nicht zu stemmen ist. BYOD wäre eine weitere Möglichkeit, dazu müsste ich jedoch schauen, wie ich das Cross-Plattform hinbekommen könnte. Zudem herrscht zur Zeit noch eine sehr restriktive Handypolitik und ich möchte nicht, dass die Schüler*innen nicht weiterarbeiten können, da ihr Kulturzugangsgerät einkassiert wurde.

Viele Gedanken und auch viele tolle Anregungen von technophilen Online-Kolleg*innen. Den Baustein zu „Medien“ werde ich mir in den Weihachtsferien vornehmen und mir bis dahin ein paar Gedanken zur Umsetzung und Zielvorstellung machen, damit Anna auch morgen noch kraftvoll zubeißen kann Spaß am lernen hat.

*Name frei erfunden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s